Vom Baum am Berge
ツァラトゥストラはこう語った(ニーチェ) ・ ドイツ語
投稿: @dialogos-editorial ・ 出典 ・ Project Gutenbergの底本による。
第1段落
Zarathustra’s Auge hatte gesehn, dass ein Jüngling ihm auswich. Und als er eines Abends allein durch die Berge gieng, welche die Stadt umschliessen, die genannt wird „die bunte Kuh“: siehe, da fand er im Gehen diesen Jüngling, wie er an einen Baum gelehnt sass und müden Blickes in das Thal schaute. Zarathustra fasste den Baum an, bei welchem der Jüngling sass, und sprach also:
注釈
第2段落
Wenn ich diesen Baum da mit meinen Händen schütteln wollte, ich würde es nicht vermögen.
注釈
第3段落
Aber der Wind, den wir nicht sehen, der quält und biegt ihn, wohin er will. Wir werden am schlimmsten von unsichtbaren Händen gebogen und gequält.
注釈
第4段落
Da erhob sich der Jüngling bestürzt und sagte: „ich höre Zarathustra und eben dachte ich an ihn.“ Zarathustra entgegnete:
注釈
第5段落
„Was erschrickst du desshalb?—Aber es ist mit dem Menschen wie mit dem Baume.
注釈
第6段落
Je mehr er hinauf in die Höhe und Helle will, um so stärker streben seine Wurzeln erdwärts, abwärts, in’s Dunkle, Tiefe,—in’s Böse.“
注釈
第7段落
„Ja in’s Böse! rief der Jüngling. Wie ist es möglich, dass du meine Seele entdecktest?“
注釈
第8段落
Zarathustra lächelte und sprach: „Manche Seele wird man nie entdecken, es sei denn, dass man sie zuerst erfindet.“ „Ja in’s Böse! rief der Jüngling nochmals.
注釈
第9段落
Du sagtest die Wahrheit, Zarathustra. Ich traue mir selber nicht mehr, seitdem ich in die Höhe will, und Niemand traut mir mehr,—wie geschieht diess doch?
注釈
第10段落
Ich verwandele mich zu schnell: mein Heute widerlegt mein Gestern. Ich überspringe oft die Stufen, wenn ich steige,—das verzeiht mir keine Stufe.
注釈
第11段落
Bin ich oben, so finde ich mich immer allein. Niemand redet mit mir, der Frost der Einsamkeit macht mich zittern. Was will ich doch in der Höhe?
注釈
第12段落
Meine Verachtung und meine Sehnsucht wachsen mit einander; je höher ich steige, um so mehr verachte ich Den, der steigt. Was will er doch in der Höhe?
注釈
第13段落
Wie schäme ich mich meines Steigens und Stolperns! Wie spotte ich meines heftigen Schnaubens! Wie hasse ich den Fliegenden! Wie müde bin ich in der Höhe!“
注釈
第14段落
Hier schwieg der Jüngling. Und Zarathustra betrachtete den Baum, an dem sie standen, und sprach also:
注釈
第15段落
Dieser Baum steht einsam hier am Gebirge; er wuchs hoch hinweg über Mensch und Thier.
注釈
第16段落
Und wenn er reden wollte, er würde Niemanden haben, der ihn verstünde: so hoch wuchs er.
注釈
第17段落
Nun wartet er und wartet,—worauf wartet er doch? Er wohnt dem Sitze der Wolken zu nahe: er wartet wohl auf den ersten Blitz?
注釈
第18段落
Als Zarathustra diess gesagt hatte, rief der Jüngling mit heftigen Gebärden: „Ja, Zarathustra, du sprichst die Wahrheit. Nach meinem Untergange verlangte ich, als ich in die Höhe wollte, und du bist der Blitz, auf den ich wartete! Siehe, was bin ich noch, seitdem du uns erschienen bist? Der Neid auf dich ist’s, der mich zerstört hat!“—So sprach der Jüngling und weinte bitterlich. Zarathustra aber legte seinen Arm um ihn und führte ihn mit sich fort.
注釈
第19段落
Und als sie eine Weile mit einander gegangen waren, hob Zarathustra also an zu sprechen:
注釈
第20段落
Es zerreisst mir das Herz. Besser als deine Worte es sagen, sagt mir dein Auge alle deine Gefahr.
注釈
第21段落
Noch bist du nicht frei, du suchst noch nach Freiheit. Übernächtig machte dich dein Suchen und überwach.
注釈
第22段落
In die freie Höhe willst du, nach Sternen dürstet deine Seele. Aber auch deine schlimmen Triebe dürsten nach Freiheit.
注釈
第23段落
Deine wilden Hunde wollen in die Freiheit; sie bellen vor Lust in ihrem Keller, wenn dein Geist alle Gefängnisse zu lösen trachtet.
注釈
第24段落
Noch bist du mir ein Gefangner, der sich Freiheit ersinnt: ach, klug wird solchen Gefangnen die Seele, aber auch arglistig und schlecht.
注釈
第25段落
Reinigen muss sich noch der Befreite des Geistes. Viel Gefängniss und Moder ist noch in ihm zurück: rein muss noch sein Auge werden.
注釈
第26段落
Ja, ich kenne deine Gefahr. Aber bei meiner Liebe und Hoffnung beschwöre ich dich: wirf deine Liebe und Hoffnung nicht weg!
注釈
第27段落
Edel fühlst du dich noch, und edel fühlen dich auch die Andern noch, die dir gram sind und böse Blicke senden. Wisse, dass Allen ein Edler im Wege steht.
注釈
第28段落
Auch den Guten steht ein Edler im Wege: und selbst wenn sie ihn einen Guten nennen, so wollen sie ihn damit bei Seite bringen.
注釈
第29段落
Neues will der Edle schaffen und eine neue Tugend. Altes will der Gute, und dass Altes erhalten bleibe.
注釈
第30段落
Aber nicht das ist die Gefahr des Edlen, dass er ein Guter werde, sondern ein Frecher, ein Höhnender, ein Vernichter.
注釈
第31段落
Ach, ich kannte Edle, die verloren ihre höchste Hoffnung. Und nun verleumdeten sie alle hohen Hoffnungen.
注釈
第32段落
Nun lebten sie frech in kurzen Lüsten, und über den Tag hin warfen sie kaum noch Ziele.
注釈
第33段落
„Geist ist auch Wollust“—so sagten sie. Da zerbrachen ihrem Geiste die Flügel: nun kriecht er herum und beschmutzt im Nagen.
注釈
第34段落
Einst dachten sie Helden zu werden: Lüstlinge sind es jetzt. Ein Gram und ein Grauen ist ihnen der Held.
注釈
第35段落
Aber bei meiner Liebe und Hoffnung beschwöre ich dich: wirf den Helden in deiner Seele nicht weg! Halte heilig deine höchste Hoffnung!—
注釈
第36段落
Also sprach Zarathustra.
注釈
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