← 原典テキスト一覧へ

Vom Biss der Natter

ツァラトゥストラはこう語った(ニーチェ)ドイツ語

投稿: @dialogos-editorial出典 ・ Project Gutenbergの底本による。

まだ論証グラフがありません(ログインすると作成できます)。
  1. 1段落

    Eines Tages war Zarathustra unter einem Feigenbaume eingeschlafen, da es heiss war, und hatte seine Arme über das Gesicht gelegt. Da kam eine Natter und biss ihn in den Hals, so dass Zarathustra vor Schmerz aufschrie. Als er den Arm vom Gesicht genommen hatte, sah er die Schlange an: da erkannte sie die Augen Zarathustra’s, wand sich ungeschickt und wollte davon. „Nicht doch, sprach Zarathustra; noch nahmst du meinen Dank nicht an! Du wecktest mich zur Zeit, mein Weg ist noch lang.“ „Dein Weg ist noch kurz, sagte die Natter traurig; mein Gift tödtet.“ Zarathustra lächelte. „Wann starb wohl je ein Drache am Gift einer Schlange?—sagte er. Aber nimm dein Gift zurück! Du bist nicht reich genug, es mir zu schenken.“ Da fiel ihm die Natter von Neuem um den Hals und leckte ihm seine Wunde.

    注釈

  2. 2段落

    Als Zarathustra diess einmal seinen Jüngern erzählte, fragten sie: „Und was, oh Zarathustra, ist die Moral deiner Geschichte?“ Zarathustra antwortete darauf also:

    注釈

  3. 3段落

    Den Vernichter der Moral heissen mich die Guten und Gerechten: meine Geschichte ist unmoralisch.—

    注釈

  4. 4段落

    So ihr aber einen Feind habt, so vergeltet ihm nicht Böses mit Gutem: denn das würde beschämen. Sondern beweist, dass er euch etwas Gutes angethan hat.

    注釈

  5. 5段落

    Und lieber zürnt noch, als dass ihr beschämt! Und wenn euch geflucht wird, so gefällt es mir nicht, dass ihr dann segnen wollt. Lieber ein Wenig mitfluchen!

    注釈

  6. 6段落

    Und geschah euch ein grosses Unrecht, so thut mir geschwind fünf kleine dazu! Grässlich ist Der anzusehn, den allein das Unrecht drückt.

    注釈

  7. 7段落

    Wusstet ihr diess schon? Getheiltes Unrecht ist halbes Recht. Und Der soll das Unrecht auf sich nehmen, der es tragen kann!

    注釈

  8. 8段落

    Eine kleine Rache ist menschlicher, als gar keine Rache. Und wenn die Strafe nicht auch ein Recht und eine Ehre ist für den Übertretenden, so mag ich auch euer Strafen nicht.

    注釈

  9. 9段落

    Vornehmer ist’s, sich Unrecht zu geben als Recht zu behalten, sonderlich wenn man Recht hat. Nur muss man reich genug dazu sein.

    注釈

  10. 10段落

    Ich mag eure kalte Gerechtigkeit nicht; und aus dem Auge eurer Richter blickt mir immer der Henker und sein kaltes Eisen.

    注釈

  11. 11段落

    Sagt, wo findet sich die Gerechtigkeit, welche Liebe mit sehenden Augen ist?

    注釈

  12. 12段落

    So erfindet mir doch die Liebe, welche nicht nur alle Strafe, sondern auch alle Schuld trägt!

    注釈

  13. 13段落

    So erfindet mir doch die Gerechtigkeit, die Jeden freispricht, ausgenommen den Richtenden!

    注釈

  14. 14段落

    Wollt ihr auch diess noch hören? An Dem, der von Grund aus gerecht sein will, wird auch noch die Lüge zur Menschen-Freundlichkeit.

    注釈

  15. 15段落

    Aber wie wollte ich gerecht sein von Grund aus! Wie kann ich Jedem das Seine geben! Diess sei mir genug: ich gebe Jedem das Meine.

    注釈

  16. 16段落

    Endlich, meine Brüder, hütet euch Unrecht zu thun allen Einsiedlern! Wie könnte ein Einsiedler vergessen! Wie könnte er vergelten!

    注釈

  17. 17段落

    Wie ein tiefer Brunnen ist ein Einsiedler. Leicht ist es, einen Stein hineinzuwerfen; sank er aber bis zum Grunde, sagt, wer will ihn wieder hinausbringen?

    注釈

  18. 18段落

    Hütet euch, den Einsiedler zu beleidigen! Thatet ihr’s aber, nun, so tödtet ihn auch noch!

    注釈

  19. 19段落

    Also sprach Zarathustra.

    注釈

この内容は複数の利用者による共同編集の対象で、CC BY-SA 4.0のもとで公開されています。詳細は利用規約をご覧ください。