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Das Kind mit dem Spiegel

ツァラトゥストラはこう語った(ニーチェ)ドイツ語

投稿: @dialogos-editorial出典 ・ Project Gutenbergの底本による。

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  1. 1段落

    Hierauf gieng Zarathustra wieder zurück in das Gebirge und in die Einsamkeit seiner Höhle und entzog sich den Menschen: wartend gleich einem Säemann, der seinen Samen ausgeworfen hat. Seine Seele aber wurde voll von Ungeduld und Begierde nach Denen, welche er liebte: denn er hatte ihnen noch Viel zu geben. Diess nämlich ist das Schwerste, aus Liebe die offne Hand schliessen und als Schenkender die Scham bewahren.

    注釈

  2. 2段落

    Also vergiengen dem Einsamen Monde und Jahre; seine Weisheit aber wuchs und machte ihm Schmerzen durch ihre Fülle.

    注釈

  3. 3段落

    Eines Morgens aber wachte er schon vor der Morgenröthe auf, besann sich lange auf seinem Lager und sprach endlich zu seinem Herzen:

    注釈

  4. 4段落

    Was erschrak ich doch so in meinem Traume, dass ich aufwachte? Trat nicht ein Kind zu mir, das einen Spiegel trug?

    注釈

  5. 5段落

    „Oh Zarathustra—sprach das Kind zu mir—schaue Dich an im Spiegel!“

    注釈

  6. 6段落

    Aber als ich in den Spiegel schaute, da schrie ich auf, und mein Herz war erschüttert: denn nicht mich sahe ich darin, sondern eines Teufels Fratze und Hohnlachen.

    注釈

  7. 7段落

    Wahrlich, allzugut verstehe ich des Traumes Zeichen und Mahnung: meine Lehre ist in Gefahr, Unkraut will Weizen heissen!

    注釈

  8. 8段落

    Meine Feinde sind mächtig worden und haben meiner Lehre Bildniss entstellt, also, dass meine Liebsten sich der Gaben schämen müssen, die ich ihnen gab.

    注釈

  9. 9段落

    Verloren giengen mir meine Freunde; die Stunde kam mir, meine Verlornen zu suchen!—

    注釈

  10. 10段落

    Mit diesen Worten sprang Zarathustra auf, aber nicht wie ein Geängstigter, der nach Luft sucht, sondern eher wie ein Seher und Sänger, welchen der Geist anfällt. Verwundert sahen sein Adler und seine Schlange auf ihn hin: denn gleich dem Morgenrothe lag ein kommendes Glück auf seinem Antlitze.

    注釈

  11. 11段落

    Was geschah mir doch, meine Thiere?—sagte Zarathustra. Bin ich nicht verwandelt! Kam mir nicht die Seligkeit wie ein Sturmwind?

    注釈

  12. 12段落

    Thöricht ist mein Glück und Thörichtes wird es reden: zu jung noch ist es—so habt Geduld mit ihm!

    注釈

  13. 13段落

    Verwundet bin ich von meinem Glücke: alle Leidenden sollen mir Arzte sein!

    注釈

  14. 14段落

    Zu meinen Freunden darf ich wieder hinab und auch zu meinen Feinden! Zarathustra darf wieder reden und schenken und Lieben das Liebste thun!

    注釈

  15. 15段落

    Meine ungeduldige Liebe fliesst über in Strömen, abwärts, nach Aufgang und Niedergang. Aus schweigsamem Gebirge und Gewittern des Schmerzes rauscht meine Seele in die Thäler.

    注釈

  16. 16段落

    Zu lange sehnte ich mich und schaute in die Ferne. Zu lange gehörte ich der Einsamkeit: so verlernte ich das Schweigen.

    注釈

  17. 17段落

    Mund bin ich worden ganz und gar, und Brausen eines Bachs aus hohen Felsen: hinab will ich meine Rede stürzen in die Thäler.

    注釈

  18. 18段落

    Und mag mein Strom der Liebe in Unwegsames stürzen! Wie sollte ein Strom nicht endlich den Weg zum Meere finden!

    注釈

  19. 19段落

    Wohl ist ein See in mir, ein einsiedlerischer, selbstgenugsamer; aber mein Strom der Liebe reisst ihn mit sich hinab—zum Meere!

    注釈

  20. 20段落

    Neue Wege gehe ich, eine neue Rede kommt mir; müde wurde ich, gleich allen Schaffenden, der alten Zungen. Nicht will mein Geist mehr auf abgelaufnen Sohlen wandeln.

    注釈

  21. 21段落

    Zu langsam läuft mir alles Reden:—in deinen Wagen springe ich, Sturm! Und auch dich will ich noch peitschen mit meiner Bosheit!

    注釈

  22. 22段落

    Wie ein Schrei und ein jauchzen will ich über weite Meere hinfahren, bis ich die glückseligen Inseln finde, wo meine Freunde weilen:—

    注釈

  23. 23段落

    Und meine Feinde unter ihnen! Wie liebe ich nun jeden, zu dem ich nur reden darf! Auch meine Feinde gehören zu meiner Seligkeit.

    注釈

  24. 24段落

    Und wenn ich auf mein wildestes Pferd steigen will, so hilft mir mein Speer immer am besten hinauf: der ist meines Fusses allzeit bereiter Diener:—

    注釈

  25. 25段落

    Der Speer, den ich gegen meine Feinde schleudere! Wie danke ich es meinen Feinden, dass ich endlich ihn schleudern darf!

    注釈

  26. 26段落

    Zu gross war die Spannung meiner Wolke: zwischen Gelächtern der Blitze will ich Hagelschauer in die Tiefe werfen.

    注釈

  27. 27段落

    Gewaltig wird sich da meine Brust heben, gewaltig wird sie ihren Sturm über die Berge hinblasen: so kommt ihr Erleichterung.

    注釈

  28. 28段落

    Wahrlich, einem Sturme gleich kommt mein Glück und meine Freiheit! Aber meine Feinde sollen glauben, der Böse rase über ihren Häuptern.

    注釈

  29. 29段落

    Ja, auch ihr werdet erschreckt sein, meine Freunde, ob meiner wilden Weisheit; und vielleicht flieht ihr davon sammt meinen Feinden.

    注釈

  30. 30段落

    Ach, dass ich’s verstünde, euch mit Hirtenflöten zurück zu locken! Ach, dass meine Löwin Weisheit zärtlich brüllen lernte! Und Vieles lernten wir schon mit einander!

    注釈

  31. 31段落

    Meine wilde Weisheit wurde trächtig auf einsamen Bergen; auf rauhen Steinen gebar sie ihr Junges, Jüngstes.

    注釈

  32. 32段落

    Nun läuft sie närrisch durch die harte Wüste und sucht und sucht nach sanftem Rasen—meine alte wilde Weisheit!

    注釈

  33. 33段落

    Auf eurer Herzen sanften Rasen, meine Freunde!—auf eure Liebe möchte sie ihr Liebstes betten!

    注釈

  34. 34段落

    Also sprach Zarathustra.

    注釈

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