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Von den Mitleidigen

ツァラトゥストラはこう語った(ニーチェ)ドイツ語

投稿: @dialogos-editorial出典 ・ Project Gutenbergの底本による。

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  1. 1段落

    Meine Freunde, es kam eine Spottrede zu eurem Freunde: „seht nur Zarathustra! Wandelt er nicht unter uns wie unter Thieren?“

    注釈

  2. 2段落

    Aber so ist es besser geredet: „der Erkennende wandelt unter Menschen als unter Thieren.“

    注釈

  3. 3段落

    Der Mensch selber aber heisst dem Erkennenden: das Thier, das rothe Backen hat.

    注釈

  4. 4段落

    Wie geschah ihm das? Ist es nicht, weil er sich zu oft hat schämen müssen?

    注釈

  5. 5段落

    Oh meine Freunde! So spricht der Erkennende: Scham, Scham, Scham—das ist die Geschichte des Menschen!

    注釈

  6. 6段落

    Und darum gebeut sich der Edle, nicht zu beschämen: Scham gebeut er sich vor allem Leidenden.

    注釈

  7. 7段落

    Wahrlich, ich mag sie nicht, die Barmherzigen, die selig sind in ihrem Mitleiden: zu sehr gebricht es ihnen an Scham.

    注釈

  8. 8段落

    Muss ich mitleidig sein, so will ich’s doch nicht heissen; und wenn ich’s bin, dann gern aus der Ferne.

    注釈

  9. 9段落

    Gerne verhülle ich auch das Haupt und fliehe davon, bevor ich noch erkannt bin: und also heisse ich euch thun, meine Freunde!

    注釈

  10. 10段落

    Möge mein Schicksal mir immer Leidlose, gleich euch, über den Weg führen, und Solche, mit denen mir Hoffnung und Mahl und Honig gemein sein darf !

    注釈

  11. 11段落

    Wahrlich, ich that wohl Das und jenes an Leidenden: aber Besseres schien ich mir stets zu thun, wenn ich lernte, mich besser freuen.

    注釈

  12. 12段落

    Seit es Menschen giebt, hat der Mensch sich zu wenig gefreut: Das allein, meine Brüder, ist unsre Erbsünde!

    注釈

  13. 13段落

    Und lernen wir besser uns freuen, so verlernen wir am besten, Andern wehe zu thun und Wehes auszudenken.

    注釈

  14. 14段落

    Darum wasche ich mir die Hand, die dem Leidenden half, darum wische ich mir auch noch die Seele ab.

    注釈

  15. 15段落

    Denn dass ich den Leidenden leidend sah, dessen schämte ich mich um seiner Scham willen; und als ich ihm half, da vergieng ich mich hart an seinem Stolze.

    注釈

  16. 16段落

    Grosse Verbindlichkeiten machen nicht dankbar, sondern rachsüchtig; und wenn die kleine Wohlthat nicht vergessen wird, so wird noch ein Nage-Wurm daraus.

    注釈

  17. 17段落

    „Seid spröde im Annehmen! Zeichnet aus damit, dass ihr annehmt!“—also rathe ich Denen, die Nichts zu verschenken haben.

    注釈

  18. 18段落

    Ich aber bin ein Schenkender: gerne schenke ich, als Freund den Freunden. Fremde aber und Arme mögen sich die Frucht selber von meinem Baume pflücken: so beschämt es weniger.

    注釈

  19. 19段落

    Bettler aber sollte man ganz abschaffen! Wahrlich, man ärgert sich ihnen zu geben und, ärgert sich ihnen nicht zu geben.

    注釈

  20. 20段落

    Und insgleichen die Sünder und bösen Gewissen! Glaubt mir, meine Freunde: Gewissensbisse erziehn zum Beissen.

    注釈

  21. 21段落

    Das Schlimmste aber sind die kleinen Gedanken. Wahrlich, besser noch bös gethan, als klein gedacht!

    注釈

  22. 22段落

    Zwar ihr sagt: „die Lust an kleinen Bosheiten erspart uns manche grosse böse That.“ Aber hier sollte man nicht sparen wollen.

    注釈

  23. 23段落

    Wie ein Geschwür ist die böse That: sie juckt und kratzt und bricht heraus,—sie redet ehrlich.

    注釈

  24. 24段落

    „Siehe, ich bin Krankheit“—so redet die böse That; das ist ihre Ehrlichkeit.

    注釈

  25. 25段落

    Aber dem Pilze gleich ist der kleine Gedanke: er kriecht und duckt sich und will nirgendswo sein—bis der ganze Leib morsch und welk ist vor kleinen Pilzen.

    注釈

  26. 26段落

    Dem aber, der vom Teufel besessen ist, sage ich diess Wort in’s Ohr: „besser noch, du ziehest deinen Teufel gross! Auch für dich giebt es noch einen Weg der Grösse!“—

    注釈

  27. 27段落

    Ach, meine Brüder! Man weiss von Jedermann Etwas zu viel! Und Mancher wird uns durchsichtig, aber desshalb können wir noch lange nicht durch ihn hindurch.

    注釈

  28. 28段落

    Es ist schwer, mit Menschen zu leben, weil Schweigen so schwer ist.

    注釈

  29. 29段落

    Und nicht gegen Den, der uns zuwider ist, sind wir am unbilligsten, sondern gegen Den, welcher uns gar Nichts angeht.

    注釈

  30. 30段落

    Hast du aber einen leidenden Freund, so sei seinem Leiden eine Ruhestätte, doch gleichsam ein hartes Bett, ein Feldbett: so wirst du ihm am besten nützen.

    注釈

  31. 31段落

    Und thut dir ein Freund Übles, so sprich: „ich vergebe dir, was du mir thatest; dass du es aber dir thatest,—wie könnte ich das vergeben!“

    注釈

  32. 32段落

    Also redet alle grosse Liebe: die überwindet auch noch Vergebung und Mitleiden.

    注釈

  33. 33段落

    Man soll sein Herz festhalten; denn lässt man es gehn, wie bald geht Einem da der Kopf durch!

    注釈

  34. 34段落

    Ach, wo in der Welt geschahen grössere Thorheiten, als bei den Mitleidigen? Und was in der Welt stiftete mehr Leid, als die Thorheiten der Mitleidigen?

    注釈

  35. 35段落

    Wehe allen Liebenden, die nicht noch eine Höhe haben, welche über ihrem Mitleiden ist!

    注釈

  36. 36段落

    Also sprach der Teufel einst zu mir: „auch Gott hat seine Hölle: das ist seine Liebe zu den Menschen.“

    注釈

  37. 37段落

    Und jüngst hörte ich ihn diess Wort sagen: „Gott ist todt; an seinem Mitleiden mit den Menschen ist Gott gestorben.“—

    注釈

  38. 38段落

    So seid mir gewarnt vordem Mitleiden: daher kommt noch den Menschen eine schwere Wolke! Wahrlich, ich verstehe mich auf Wetterzeichen!

    注釈

  39. 39段落

    Merket aber auch diess Wort: alle grosse Liebe ist noch über all ihrem Mitleiden: denn sie will das Geliebte noch—schaffen!

    注釈

  40. 40段落

    „Mich selber bringe ich meiner Liebe dar, und meinen Nächsten gleich mir“—so geht die Rede allen Schaffenden.

    注釈

  41. 41段落

    Alle Schaffenden aber sind hart.—

    注釈

  42. 42段落

    Also sprach Zarathustra.

    注釈

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