Von den Dichtern
ツァラトゥストラはこう語った(ニーチェ) ・ ドイツ語
投稿: @dialogos-editorial ・ 出典 ・ Project Gutenbergの底本による。
第1段落
„Seit ich den Leib besser kenne,—sagte Zarathustra zu einem seiner Jünger—ist mir der Geist nur noch gleichsam Geist; und alles das „Unvergängliche“—das ist auch nur ein Gleichniss.“
注釈
第2段落
„So hörte ich dich schon einmal sagen, antwortete der Jünger; und damals fügtest du hinzu: „aber die Dichter lügen zuviel.“ Warum sagtest du doch, dass die Dichter zuviel lügen?“
注釈
第3段落
„Warum? sagte Zarathustra. Du fragst warum? Ich gehöre nicht zu Denen, welche man nach ihrem Warum fragen darf.
注釈
第4段落
Ist denn mein Erleben von Gestern? Das ist lange her, dass ich die Gründe meiner Meinungen erlebte.
注釈
第5段落
Müsste ich nicht ein Fass sein von Gedächtniss, wenn ich auch meine Gründe bei mir haben wollte?
注釈
第6段落
Schon zuviel ist mir’s, meine Meinungen selber zu behalten; und mancher Vogel fliegt davon.
注釈
第7段落
Und mitunter finde ich auch ein zugezogenes Thier in meinem Taubenschlage, das mir fremd ist, und das zittert, wenn ich meine Hand darauf lege.
注釈
第8段落
Doch was sagte dir einst Zarathustra? Dass die Dichter zuviel lügen?—Aber auch Zarathustra ist ein Dichter.
注釈
第9段落
Glaubst du nun, dass er hier die Wahrheit redete? Warum glaubst du das?“
注釈
第10段落
Der Jünger antwortete: „ich glaube an Zarathustra.“ Aber Zarathustra schüttelte den Kopf und lächelte.
注釈
第11段落
Der Glaube macht mich nicht selig, sagte er, zumal nicht der Glaube an mich.
注釈
第12段落
Aber gesetzt, dass jemand allen Ernstes sagte, die Dichter lügen zuviel: so hat er Recht,— wir lügen zuviel.
注釈
第13段落
Wir wissen auch zu wenig und sind schlechte Lerner: so müssen wir schon lügen.
注釈
第14段落
Und wer von uns Dichtern hätte nicht seinen Wein verfälscht? Manch giftiger Mischmasch geschah in unsern Kellern, manches Unbeschreibliche ward da gethan.
注釈
第15段落
Und weil wir wenig wissen, so gefallen uns von Herzen die geistig Armen, sonderlich wenn es junge Weibchen sind!
注釈
第16段落
Und selbst nach den Dingen sind wir noch begehrlich, die sich die alten Weibchen Abends erzählen. Das heissen wir selber an uns das Ewig-Weibliche.
注釈
第17段落
Und als ob es einen besondren geheimen Zugang zum Wissen gäbe, der sich Denen verschütte , welche Etwas lernen: so glauben wir an das Volk und seine „Weisheit“.
注釈
第18段落
Das aber glauben alle Dichter: dass wer im Grase oder an einsamen Gehängen liegend die Ohren spitze, Etwas von den Dingen erfahre, die zwischen Himmel und Erde sind.
注釈
第19段落
Und kommen ihnen zärtliche Regungen, so meinen die Dichter immer, die Natur selber sei in sie verliebt:
注釈
第20段落
Und sie schleiche zu ihrem Ohre, Heimliches hinein zu sagen und verliebte Schmeichelreden: dessen brüsten und blähen sie sich vor allen Sterblichen!
注釈
第21段落
Ach, es giebt so viel Dinge zwischen Himmel und Erden, von denen sich nur die Dichter Etwas haben träumen lassen!
注釈
第22段落
Und zumal über dem Himmel: denn alle Götter sind Dichter-Gleichniss, Dichter-Erschleichniss!
注釈
第23段落
Wahrlich, immer zieht es uns hinan—nämlich zum Reich der Wolken: auf diese setzen wir unsre bunten Bälge und heissen sie dann Götter und Übermenschen:—
注釈
第24段落
Sind sie doch gerade leicht genug für diese Stühle!—alle diese Götter und Übermenschen.
注釈
第25段落
Ach, wie bin ich all des Unzulänglichen müde, das durchaus Ereigniss sein soll! Ach, wie bin ich der Dichter müde!
注釈
第26段落
Als Zarathustra so sprach, zürnte ihm sein Jünger, aber er schwieg. Und auch Zarathustra schwieg; und sein Auge hatte sich nach innen gekehrt, gleich als ob es in weite Fernen sähe. Endlich seufzte er und holte Athem.
注釈
第27段落
Ich bin von Heute und Ehedem, sagte er dann; aber Etwas ist in mir, das ist von Morgen und übermorgen und Einstmals.
注釈
第28段落
Ich wurde der Dichter müde, der alten und der neuen: Oberflächliche sind sie mir Alle und seichte Meere.
注釈
第29段落
Sie dachten nicht genug in die Tiefe: darum sank ihr Gefühl nicht bis zu den Gründen.
注釈
第30段落
Etwas Wollust und etwas Langeweile: das ist noch ihr bestes Nachdenken gewesen.
注釈
第31段落
Gespenster-Hauch und -Huschen gilt mir all ihr Harfen-Klingklang; was wussten sie bisher von der Inbrunst der Töne!—
注釈
第32段落
Sie sind mir auch nicht reinlich genug: sie trüben Alle ihr Gewässer, dass es tief scheine.
注釈
第33段落
Und gerne geben sie sich damit als Versöhner: aber Mittler und Mischer bleiben sie mir und Halb-und-Halbe und Unreinliche!—
注釈
第34段落
Ach, ich warf wohl mein Netz in ihre Meere und wollte gute Fische fangen; aber immer zog ich eines alten Gottes Kopf herauf.
注釈
第35段落
So gab dem Hungrigen das Meer einen Stein. Und sie selber mögen wohl aus dem Meere stammen.
注釈
第36段落
Gewiss, man findet Perlen in ihnen: um so ähnlicher sind sie selber harten Schalthieren. Und statt der Seele fand ich oft bei ihnen gesalzenen Schleim.
注釈
第37段落
Sie lernten vom Meere auch noch seine Eitelkeit: ist nicht das Meer der Pfau der Pfauen?
注釈
第38段落
Noch vor dem hässlichsten aller Büffel rollt es seinen Schweif hin, nimmer wird es seines Spitzenfächers von Silber und Seide müde.
注釈
第39段落
Trutzig blickt der Büffel dazu, dem Sande nahe in seiner Seele, näher noch dem Dickicht, am nächsten aber dem Sumpfe.
注釈
第40段落
Was ist ihm Schönheit und Meer und Pfauen-Zierath! Dieses Gleichniss sage ich den Dichtern.
注釈
第41段落
Wahrlich, ihr Geist selber ist der Pfau der Pfauen und ein Meer von Eitelkeit!
注釈
第42段落
Zuschauer will der Geist des Dichters: sollten’s auch Büffel sein!—
注釈
第43段落
Aber dieses Geistes wurde ich müde: und ich sehe kommen, dass er seiner selber müde wird.
注釈
第44段落
Verwandelt sah ich schon die Dichter und gegen sich selber den Blick gerichtet.
注釈
第45段落
Büsser des Geistes sah ich kommen: die wuchsen aus ihnen.
注釈
第46段落
Also sprach Zarathustra.
注釈
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