Die stillste Stunde
ツァラトゥストラはこう語った(ニーチェ) ・ ドイツ語
投稿: @dialogos-editorial ・ 出典 ・ Project Gutenbergの底本による。
第1段落
„Was geschah mir, meine Freunde? Ihr seht mich verstört, fortgetrieben, unwillig-folgsam, bereit zu gehen—ach, von euch fortzugehen!
注釈
第2段落
Ja, noch Ein Mal muss Zarathustra in seine Einsamkeit: aber unlustig geht diessmal der Bär zurück in seine Höhle!
注釈
第3段落
Was geschah mir? Wer gebeut diess?—Ach, meine zornige Herrin will es so, sie sprach zu mir: nannte ich je euch schon ihren Namen?
注釈
第4段落
Gestern gen Abend sprach zu mir meine stillste Stunde : das ist der Name meiner furchtbaren Herrin.
注釈
第5段落
Und so geschah’s,—denn Alles muss ich euch sagen, dass euer Herz sich nicht verhärte gegen den plötzlich Scheidenden!
注釈
第6段落
Kennt ihr den Schrecken des Einschlafenden?—
注釈
第7段落
Bis in die Zehen hinein erschrickt er, darob, dass ihm der Boden weicht und der Traum beginnt.
注釈
第8段落
Dieses sage ich euch zum Gleichniss. Gestern, zur stillsten Stunde, wich mir der Boden: der Traum begann.
注釈
第9段落
Der Zeiger rückte, die Uhr meines Lebens holte Athem—nie hörte ich solche Stille um mich: also dass mein Herz erschrak.
注釈
第10段落
Dann sprach es ohne Stimme zu mir: „Du weisst es, Zarathustra?“—
注釈
第11段落
Und ich schrie vor Schrecken bei diesem Flüstern, und das Blut wich aus meinem Gesichte: aber ich schwieg.
注釈
第12段落
Da sprach es abermals ohne Stimme zu mir: „Du weisst es, Zarathustra, aber du redest es nicht!“—
注釈
第13段落
Und ich antwortete endlich gleich einem Trotzigen: „Ja, ich weiss es, aber ich will es nicht reden!“
注釈
第14段落
Da sprach es wieder ohne Stimme zu mir: „Du willst nicht, Zarathustra? Ist diess auch wahr? Verstecke dich nicht in deinen Trotz!“—
注釈
第15段落
Und ich weinte und zitterte wie ein Kind und sprach: „Ach, ich wollte schon, aber wie kann ich es! Erlass mir diess nur! Es ist über meine Kraft!“
注釈
第16段落
Da sprach es wieder ohne Stimme zu mir: „Was liegt an dir, Zarathustra! Sprich dein Wort und zerbrich!“—
注釈
第17段落
Und ich antwortete: „Ach, ist es mein Wort? Wer bin ich? Ich warte des Würdigeren; ich bin nicht werth, an ihm auch nur zu zerbrechen.“
注釈
第18段落
Da sprach es wieder ohne Stimme zu mir: „Was liegt an dir? Du bist mir noch nicht demüthig genug. Die Demuth hat das härteste Fell.“—
注釈
第19段落
Und ich antwortete: „Was trug nicht schon das Fell meiner Demuth! Am Fusse wohne ich meiner Höhe: wie hoch meine Gipfel sind? Niemand sagte es mir noch. Aber gut kenne ich meine Thäler.“
注釈
第20段落
Da sprach es wieder ohne Stimme zu mir: „Oh Zarathustra, wer Berge zu versetzen hat, der versetzt auch Thäler und Niederungen.“—
注釈
第21段落
Und ich antwortete: „Noch versetzte mein Wort keine Berge, und was ich redete, erreichte die Menschen nicht. Ich gieng wohl zu den Menschen, aber noch langte ich nicht bei ihnen an.“
注釈
第22段落
Da sprach es wieder ohne Stimme zu mir: „Was weisst du davon ! Der Thau fällt auf das Gras, wenn die Nacht am verschwiegensten ist.“—
注釈
第23段落
Und ich antwortete: „sie verspotteten mich, als ich meinen eigenen Weg fand und gieng; und in Wahrheit zitterten damals meine Füsse.“
注釈
第24段落
Und so sprachen sie zu mir: „du verlerntest den Weg, nun verlernst du auch das Gehen!“
注釈
第25段落
Da sprach es wieder ohne Stimme zu mir: „Was liegt an ihrem Spotte! Du bist Einer, der das Gehorchen verlernt hat: nun sollst du befehlen!
注釈
第26段落
Weisst du nicht, wer Allen am nöthigsten thut? Der Grosses befiehlt.
注釈
第27段落
Grosses vollführen ist schwer: aber das Schwerere ist, Grosses befehlen.
注釈
第28段落
Das ist dein Unverzeihlichstes: du hast die Macht, und du willst nicht herrschen.“—
注釈
第29段落
Und ich antwortete: „Mir fehlt des Löwen Stimme zu allem Befehlen.“
注釈
第30段落
Da sprach es wieder wie ein Flüstern zu mir: „Die stillsten Worte sind es, welche den Sturm bringen. Gedanken, die mit Taubenfüssen kommen, lenken die Welt.
注釈
第31段落
Oh Zarathustra, du sollst gehen als ein Schatten dessen, was kommen muss: so wirst du befehlen und befehlend vorangehen.“—
注釈
第32段落
Und ich antwortete: „Ich schäme mich.“
注釈
第33段落
Da sprach es wieder ohne Stimme zu mir: „Du musst noch Kind werden und ohne Scham.
注釈
第34段落
Der Stolz der Jugend ist noch auf dir, spät bist du jung geworden: aber wer zum Kinde werden will, muss auch noch seine Jugend überwinden.“—
注釈
第35段落
Und ich besann mich lange und zitterte. Endlich aber sagte ich, was ich zuerst sagte: „Ich will nicht.“
注釈
第36段落
Da geschah ein Lachen um mich. Wehe, wie diess Lachen mir die Eingeweide zerriss und das Herz aufschlitzte!
注釈
第37段落
Und es sprach zum letzten Male zu mir: „Oh Zarathustra, deine Früchte sind reif, aber du bist nicht reif für deine Früchte!
注釈
第38段落
So musst du wieder in die Einsamkeit: denn du sollst noch mürbe werden.“—
注釈
第39段落
Und wieder lachte es und floh: dann wurde es stille um mich wie mit einer zwiefachen Stille. Ich aber lag am Boden, und der Schweiss floss mir von den Gliedern.
注釈
第40段落
—Nun hörtet ihr Alles, und warum ich in meine Einsamkeit zurück muss. Nichts verschwieg ich euch, meine Freunde.
注釈
第41段落
Aber auch diess hörtet ihr von mir, wer immer noch aller Menschen Verschwiegenster ist—und es sein will!
注釈
第42段落
Ach meine Freunde! Ich hätte euch noch Etwas zu sagen, ich hätte euch noch Etwas zu geben! Warum gebe ich es nicht? Bin ich denn geizig?“—
注釈
第43段落
Als Zarathustra aber diese Worte gesprochen hatte, überfiel ihn die Gewalt des Schmerzes und die Nähe des Abschieds von seinen Freunden, also dass er laut weinte; und Niemand wusste ihn zu trösten. Des Nachts aber gieng er allein fort und verliess seine Freunde.
注釈
第44段落
„Ihr seht nach Oben, wenn ihr nach Erhebung verlangt. Und ich sehe hinab, weil ich erhoben bin. Wer von euch kann zugleich lachen und erhoben sein? Wer auf den höchsten Bergen steigt, der lacht über alle Trauer-Spiele und Trauer-Ernste.“
注釈
第45段落
Zarathustra, vom Lesen und Schreiben.
注釈
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