Auf dem Ölberge
ツァラトゥストラはこう語った(ニーチェ) ・ ドイツ語
投稿: @dialogos-editorial ・ 出典 ・ Project Gutenbergの底本による。
第1段落
Der Winter, ein schlimmer Gast, sitzt bei mir zu Hause; blau sind meine Hände von seiner Freundschaft Händedruck.
注釈
第2段落
Ich ehre ihn, diesen schlimmen Gast, aber lasse gerne ihn allein sitzen. Gerne laufe ich ihm davon; und, läuft man gut , so entläuft man ihm!
注釈
第3段落
Mit warmen Füssen und warmen Gedanken laufe ich dorthin, wo der Wind stille steht,—zum Sonnen-Winkel meines Ölbergs.
注釈
第4段落
Da lache ich meines gestrengen Gastes und bin ihm noch gut, dass er zu Hause mir die Fliegen wegfängt und vielen kleinen Lärm stille macht.
注釈
第5段落
Er leidet es nämlich nicht, wenn eine Mücke singen will, oder gar zwei; noch die Gasse macht er einsam, dass der Mondschein drin Nachts sich fürchtet.
注釈
第6段落
Ein harter Gast ist er,—aber ich ehre ihn, und nicht bete ich, gleich den Zärtlingen, zum dickbäuchichten Feuer-Götzen.
注釈
第7段落
Lieber noch ein Wenig zähneklappern als Götzen anbeten!—so will’s meine Art. Und sonderlich bin ich allen brünstigen dampfenden dumpfigen Feuer-Götzen gram.
注釈
第8段落
Wen ich liebe, den liebe ich Winters besser als Sommers; besser spotte ich jetzt meiner Feinde und herzhafter, seit der Winter mir im Hause sitzt.
注釈
第9段落
Herzhaft wahrlich, selbst dann noch, wenn ich zu Bett krieche —: da lacht und muthwillt noch mein verkrochenes Glück; es lacht noch mein Lügen-Traum.
注釈
第10段落
Ich—ein Kriecher? Niemals kroch ich im Leben vor Mächtigen; und log ich je, so log ich aus Liebe. Desshalb bin ich froh auch im Winter-Bette.
注釈
第11段落
Ein geringes Bett wärmt mich mehr als ein reiches, denn ich bin eifersüchtig auf meine Armuth. Und im Winter ist sie mir am treuesten.
注釈
第12段落
Mit einer Bosheit beginne ich jeden Tag, ich spotte des Winters mit einem kalten Bade: darob brummt mein gestrenger Hausfreund.
注釈
第13段落
Auch kitzle ich ihn gerne mit einem Wachskerzlein: dass er mir endlich den Himmel herauslasse aus aschgrauer Dämmerung.
注釈
第14段落
Sonderlich boshaft bin ich nämlich des Morgens: zur frühen Stunde, da der Eimer am Brunnen klirrt und die Rosse warm durch graue Gassen wiehern:—
注釈
第15段落
Ungeduldig warte ich da, dass mir endlich der lichte Himmel aufgehe, der schneebärtige Winter-Himmel, der Greis und Weisskopf,—
注釈
第16段落
—der Winter-Himmel, der schweigsame, der oft noch seine Sonne verschweigt!
注釈
第17段落
Lernte ich wohl von ihm das lange lichte Schweigen? Oder lernte er’s von mir? Oder hat ein jeder von uns es selbst erfunden?
注釈
第18段落
Aller guten Dinge Ursprung ist tausendfältig,—alle guten muthwilligen Dinge springen vor Lust in’s Dasein: wie sollten sie das immer nur—Ein Mal thun!
注釈
第19段落
Ein gutes muthwilliges Ding ist auch das lange Schweigen und gleich dem Winter-Himmel blicken aus lichtem rundäugichten Antlitze:—
注釈
第20段落
—gleich ihm seine Sonne verschweigen und seinen unbeugsamen Sonnen-Willen: wahrlich, diese Kunst und diesen Winter-Muthwillen lernte ich gut !
注釈
第21段落
Meine liebste Bosheit und Kunst ist es, dass mein Schweigen lernte, sich nicht durch Schweigen zu verrathen.
注釈
第22段落
Mit Worten und Würfeln klappernd überliste ich mir die feierlichen Warter: allen diesen gestrengen Aufpassern soll mein Wille und Zweck entschlüpfen.
注釈
第23段落
Dass mir Niemand in meinen Grund und letzten Willen hinab sehe,—dazu erfand ich mir das lange lichte Schweigen.
注釈
第24段落
So manchen Klugen fand ich: der verschleierte sein Antlitz und trübte sein Wasser, dass Niemand ihm hindurch und hinunter sehe.
注釈
第25段落
Aber zu ihm gerade kamen die klügeren Misstrauer und Nussknacker: ihm gerade fischte man seinen verborgensten Fisch heraus!
注釈
第26段落
Sondern die Hellen, die Wackern, die Durchsichtigen—das sind mir die klügsten Schweiger: denen so tief ihr Grund ist, dass auch das hellste Wasser ihn nicht—verräth.—
注釈
第27段落
Du schneebärtiger schweigender Winter-Himmel, du rundäugichter Weisskopf über mir! Oh du himmlisches Gleichniss meiner Seele und ihres Muthwillens!
注釈
第28段落
Und muss ich mich nicht verbergen, gleich Einem, der Gold verschluckt hat,—dass man mir nicht die Seele aufschlitze?
注釈
第29段落
Muss ich nicht Stelzen tragen, dass sie meine langen Beine übersehen ,—alle diese Neidbolde und Leidholde, die um mich sind?
注釈
第30段落
Diese räucherigen, stubenwarmen, verbrauchten, vergrünten, vergrämelten Seelen —wie könnte ihr Neid mein Glück ertragen!
注釈
第31段落
So zeige ich ihnen nur das Eis und den Winter auf meinen Gipfeln—und nicht , dass mein Berg noch alle Sonnengürtel um sich schlingt!
注釈
第32段落
Sie hören nur meine Winter-Stürme pfeifen: und nicht , dass ich auch über warme Meere fahre, gleich sehnsüchtigen, schweren, heissen Südwinden.
注釈
第33段落
Sie erbarmen sich noch meiner Unfälle und Zufälle:—aber mein Wort heisst: „lasst den Zufall zu mir kommen: unschuldig ist er, wie ein Kindlein!“
注釈
第34段落
Wie könnten sie mein Glück ertragen, wenn ich nicht Unfälle und Winter-Nöthe und Eisbären-Mützen und Schneehimmel-Hüllen um mein Glück legte!
注釈
第35段落
—wenn ich mich nicht selbst ihres Mitleids erbarmte—des Mitleids dieser Neidbolde und Leidholde!
注釈
第36段落
—wenn ich nicht selber vor ihnen seufzte und frostklapperte und mich geduldsam in ihr Mitleid wickeln liesse !
注釈
第37段落
Diess ist der weise Muthwille und Wohlwille meiner Seele, dass sie ihren Winter und ihre Froststürme nicht verbirgt ; sie verbirgt auch ihre Frostbeulen nicht.
注釈
第38段落
Des Einen Einsamkeit ist die Flucht des Kranken; des Andern Einsamkeit die Flucht vor den Kranken.
注釈
第39段落
Mögen sie mich klappern und seufzen hören vor Winterkälte, alle diese armen scheelen Schelme um mich! Mit solchem Geseufz und Geklapper flüchte ich noch vor ihren geheizten Stuben.
注釈
第40段落
Mögen sie mich bemitleiden und bemitseufzen ob meiner Frostbeulen: „am Eis der Erkenntniss erfriert er uns noch!“—so klagen sie.
注釈
第41段落
Inzwischen laufe ich mit warmen Füssen kreuz und quer auf meinem Ölberge: im Sonnen-Winkel meines Ölberges singe und spotte ich alles Mitleids.—
注釈
第42段落
Also sang Zarathustra.
注釈
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