← 原典テキスト一覧へ

Die Heimkehr

ツァラトゥストラはこう語った(ニーチェ)ドイツ語

投稿: @dialogos-editorial出典 ・ Project Gutenbergの底本による。

まだ論証グラフがありません(ログインすると作成できます)。
  1. 1段落

    Oh Einsamkeit! Du meine Heimat Einsamkeit! Zu lange lebte ich wild in wilder Fremde, als dass ich nicht mit Thränen zu dir heimkehrte!

    注釈

  2. 2段落

    Nun drohe mir nur mit dem Finger, wie Mütter drohn, nein lächle mir zu, wie Mütter lächeln, nun sprich nur: „Und wer war das, der wie ein Sturmwind einst von mir davonstürmte?—

    注釈

  3. 3段落

    —der scheidend rief: zu lange sass ich bei der Einsamkeit, da verlernte ich das Schweigen! Das —lerntest du nun wohl?

    注釈

  4. 4段落

    Oh Zarathustra, Alles weiss ich: und dass du unter den Vielen verlassener warst, du Einer, als je bei mir!

    注釈

  5. 5段落

    Ein Anderes ist Verlassenheit, ein Anderes Einsamkeit: Das —lerntest du nun! Und dass du unter Menschen immer wild und fremd sein wirst:

    注釈

  6. 6段落

    -Wild und fremd auch noch, wenn sie dich lieben: denn zuerst von Allem wollen sie geschont sein!

    注釈

  7. 7段落

    Hier aber bist du bei dir zu Heim und Hause; hier kannst du Alles hinausreden und alle Gründe ausschütten, Nichts schämt sich hier versteckter, verstockter Gefühle.

    注釈

  8. 8段落

    Hier kommen alle Dinge liebkosend zu deiner Rede und schmeicheln dir: denn sie wollen auf deinem Rücken reiten. Auf jedem Gleichniss reitest du hier zu jeder Wahrheit.

    注釈

  9. 9段落

    Aufrecht und aufrichtig darfst du hier zu allen Dingen reden: und wahrlich, wie Lob klingt es ihren Ohren, dass Einer mit allen Dingen—gerade redet!

    注釈

  10. 10段落

    Ein Anderes aber ist Verlassensein. Denn, weisst du noch, oh Zarathustra? Als damals dein Vogel über dir schrie, als du im Walde standest, unschlüssig, wohin? unkundig, einem Leichnam nahe:—

    注釈

  11. 11段落

    —als du sprachst: mögen mich meine Thiere führen! Gefährlicher fand ich’s unter Menschen, als unter Thieren:— Das war Verlassenheit!

    注釈

  12. 12段落

    Und weisst du noch, oh Zarathustra? Als du auf deiner Insel sassest, unter leeren Eimern ein Brunnen Weins, gebend und ausgebend, unter Durstigen schenkend und ausschenkend:

    注釈

  13. 13段落

    —bis du endlich durstig allein unter Trunkenen sassest und nächtlich klagtest „ist Nehmen nicht seliger als Geben? Und Stehlen noch seliger als Nehmen?“— Das war Verlassenheit!

    注釈

  14. 14段落

    Und weisst du noch, oh Zarathustra? Als deine stillste Stunde kam und dich von dir selber forttrieb, als sie mit bösem Flüstern sprach: „Sprich und zerbrich!“ -

    注釈

  15. 15段落

    —als sie dir all dein Warten und Schweigen leid machte und deinen demüthigen Muth entmuthigte: Das war Verlassenheit!“—

    注釈

  16. 16段落

    Oh Einsamkeit! Du meine Heimat Einsamkeit! Wie selig und zärtlich redet deine Stimme zu mir!

    注釈

  17. 17段落

    Wir fragen einander nicht, wir klagen einander nicht, wir gehen offen mit einander durch offne Thüren.

    注釈

  18. 18段落

    Denn offen ist es bei dir und hell; und auch die Stunden laufen hier auf leichteren Füssen. Im Dunklen nämlich trägt man schwerer an der Zeit, als im Lichte.

    注釈

  19. 19段落

    Hier springen mir alles Seins Worte und Wort-Schreine auf: alles Sein will hier Wort werden, alles Werden will hier von mir reden lernen.

    注釈

  20. 20段落

    Da unten aber—da ist alles Reden umsonst! Da ist Vergessen und Vorübergehn die beste Weisheit: Das —lernte ich nun!

    注釈

  21. 21段落

    Wer Alles bei den Menschen begreifen wollte, der müsste Alles angreifen. Aber dazu habe ich zu reinliche Hände.

    注釈

  22. 22段落

    Ich mag schon ihren Athem nicht einathmen; ach, dass ich so lange unter ihrem Lärm und üblem Athem lebte!

    注釈

  23. 23段落

    Oh selige Stille um mich! Oh reine Gerüche um mich! Oh wie aus tiefer Brust diese Stille reinen Athem holt! Oh wie sie horcht, diese selige Stille!

    注釈

  24. 24段落

    Aber da unten—da redet Alles, da wird Alles überhört. Man mag seine Weisheit mit Glocken einläuten: die Krämer auf dem Markte werden sie mit Pfennigen überklingeln!

    注釈

  25. 25段落

    Alles bei ihnen redet, Niemand weiss mehr zu verstehn. Alles fällt in’s Wasser, Nichts fällt mehr in tiefe Brunnen.

    注釈

  26. 26段落

    Alles bei ihnen redet, Nichts geräth mehr und kommt zu Ende. Alles gackert, aber wer will noch still auf dem Neste sitzen und Eier brüten?

    注釈

  27. 27段落

    Alles bei ihnen redet, Alles wird zerredet. Und was gestern noch zu hart war für die Zeit selber und ihren Zahn: heute hängt es zerschabt und zernagt aus den Mäulern der Heutigen.

    注釈

  28. 28段落

    Alles bei ihnen redet, Alles wird verrathen. Und was einst Geheimniss hiess und Heimlichkeit tiefer Seelen, heute gehört es den Gassen-Trompetern und andern Schmetterlingen.

    注釈

  29. 29段落

    Oh Menschenwesen, du wunderliches! Du Lärm auf dunklen Gassen! Nun liegst du wieder hinter mir:—meine grösste Gefahr liegt hinter mir!

    注釈

  30. 30段落

    Im Schonen und Mitleiden lag immer meine grösste Gefahr; und alles Menschenwesen will geschont und gelitten sein.

    注釈

  31. 31段落

    Mit verhaltenen Wahrheiten, mit Narrenhand und vernarrtem Herzen und reich an kleinen Lügen des Mitleidens:—also lebte ich immer unter Menschen.

    注釈

  32. 32段落

    Verkleidet sass ich unter ihnen, bereit, mich zu verkennen, dass ich sie ertrüge, und gern mir zuredend „du Narr, du kennst die Menschen nicht!“

    注釈

  33. 33段落

    Man verlernt die Menschen, wenn man unter Menschen lebt: zu viel Vordergrund ist an allen Menschen,—was sollen da weitsichtige, weit-süchtige Augen!

    注釈

  34. 34段落

    Und wenn sie mich verkannten: ich Narr schonte sie darob mehr, als mich: gewohnt zur Härte gegen mich und oft noch an mir selber mich rächend für diese Schonung.

    注釈

  35. 35段落

    Zerstochen von giftigen Fliegen und ausgehöhlt, dem Steine gleich, von vielen Tropfen Bosheit, so sass ich unter ihnen und redete mir noch zu: „unschuldig ist alles Kleine an seiner Kleinheit!“

    注釈

  36. 36段落

    Sonderlich Die, welche sich „die Guten“ heissen, fand ich als die giftigsten Fliegen: sie stechen in aller Unschuld, sie lügen in aller Unschuld; wie vermöchten sie, gegen mich—gerecht zu sein!

    注釈

  37. 37段落

    Wer unter den Guten lebt, den lehrt Mitleid lügen. Mitleid macht dumpfe Luft allen freien Seelen. Die Dummheit der Guten nämlich ist unergründlich.

    注釈

  38. 38段落

    Mich selber verbergen und meinen Reichthum— das lernte ich da unten: denn jeden fand ich noch arm am Geiste. Das war der Lug meines Mitleidens, dass ich bei jedem wusste,

    注釈

  39. 39段落

    —dass ich jedem es ansah und anroch, was ihm Geistes genug und was ihm schon Geistes zuviel war!

    注釈

  40. 40段落

    Ihre steifen Weisen: ich hiess sie weise, nicht steif,—so lernte ich Worte verschlucken. Ihre Todtengräber: ich hiess sie Forscher und Prüfer,—so lernte ich Worte vertauschen.

    注釈

  41. 41段落

    Die Todtengräber graben sich Krankheiten an. Unter altem Schutte ruhn schlimme Dünste. Man soll den Morast nicht aufrühren. Man soll auf Bergen leben.

    注釈

  42. 42段落

    Mit seligen Nüstern athme ich wieder Berges-Freiheit! Erlöst ist endlich meine Nase vom Geruch alles Menschenwesens!

    注釈

  43. 43段落

    Von scharfen Lüften gekitzelt, wie von schäumenden Weinen, niest meine Seele,—niest und jubelt sich zu: Gesundheit!

    注釈

  44. 44段落

    Also sprach Zarathustra.

    注釈

この内容は複数の利用者による共同編集の対象で、CC BY-SA 4.0のもとで公開されています。詳細は利用規約をご覧ください。