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Von den drei Bösen

ツァラトゥストラはこう語った(ニーチェ)ドイツ語

投稿: @dialogos-editorial出典 ・ Project Gutenbergの底本による。

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  1. 1段落

    Im Traum, im letzten Morgentraume stand ich heut auf einem Vorgebirge,—jenseits der Welt, hielt eine Wage und wog die Welt.

    注釈

  2. 2段落

    Oh dass zu früh mir die Morgenröthe kam: die glühte mich wach, die Eifersüchtige! Eifersüchtig ist sie immer auf meine Morgentraum-Gluthen.

    注釈

  3. 3段落

    Messbar für Den, der Zeit hat, wägbar für einen guten Wäger, erfliegbar für starke Fittige, errathbar für göttliche Nüsseknacker: also fand mein Traum die Welt:—

    注釈

  4. 4段落

    Mein Traum, ein kühner Segler, halb Schiff, halb Windsbraut, gleich Schmetterlingen schweigsam, ungeduldig gleich Edelfalken: wie hatte er doch zum Welt-Wägen heute Geduld und Weile!

    注釈

  5. 5段落

    Sprach ihm heimlich wohl meine Weisheit zu, meine lachende wache Tags-Weisheit, welche über alle „unendliche Welten“ spottet? Denn sie spricht: „wo Kraft ist, wird auch die Zahl Meisterin: die hat mehr Kraft.“

    注釈

  6. 6段落

    Wie sicher schaute mein Traum auf diese endliche Welt, nicht neugierig, nicht altgierig, nicht fürchtend, nicht bittend:—

    注釈

  7. 7段落

    —als ob ein voller Apfel sich meiner Hand böte, ein reifer Goldapfel, mit kühl-sanfter sammtener Haut:—so bot sich mir die Welt:—

    注釈

  8. 8段落

    —als ob ein Baum mir winke, ein breitästiger, starkwilliger, gekrümmt zur Lehne und noch zum Fussbrett für den Wegmüden: so stand die Welt auf meinem Vorgebirge:—

    注釈

  9. 9段落

    —als ob zierliche Hände mir einen Schrein entgegentrügen,—einen Schrein offen für das Entzücken schamhafter verehrender Augen: also bot sich mir heute die Welt entgegen:—

    注釈

  10. 10段落

    —nicht Räthsel genug, um Menschen-Liebe davon zu scheuchen, nicht Lösung genug, um Menschen-Weisheit einzuschläfern:—ein menschlich gutes Ding war mir heut die Welt, der man so Böses nachredet!

    注釈

  11. 11段落

    Wie danke ich es meinem Morgentraum, dass ich also in der Frühe heut die Welt wog! Als ein menschlich gutes Ding kam er zu mir, dieser Traum und Herzenströster!

    注釈

  12. 12段落

    Und dass ich’s ihm gleich thue am Tage und sein Bestes ihm nach- und ablerne: will ich jetzt die drei bösesten Dinge auf die Wage thun und menschlich gut abwägen.—

    注釈

  13. 13段落

    Wer da segnen lehrte, der lehrte auch fluchen: welches sind in der Welt die drei bestverfluchten Dinge? Diese will ich auf die Wage thun.

    注釈

  14. 14段落

    Wollust, Herrschsucht, Selbstsucht: diese Drei wurden bisher am besten verflucht und am schlimmsten beleu- und belügenmundet,—diese Drei will ich menschlich gut abwägen.

    注釈

  15. 15段落

    Wohlauf! Hier ist mein Vorgebirg und da das Meer: das wälzt sich zu mir heran, zottelig, schmeichlerisch, das getreue alte hundertköpfige Hunds-Ungethüm, das ich liebe.

    注釈

  16. 16段落

    Wohlauf! Hier will ich die Wage halten über gewälztem Meere: und auch einen Zeugen wähle ich, dass er zusehe,—dich, du Einsiedler-Baum, dich starkduftigen, breitgewölbten, den ich liebe!—

    注釈

  17. 17段落

    Auf welcher Brücke geht zum Dereinst das Jetzt? Nach welchem Zwange zwingt das Hohe sich zum Niederen? Und was heisst auch das Höchste noch—hinaufwachsen?—

    注釈

  18. 18段落

    Nun steht die Wage gleich und still: drei schwere Fragen warf ich hinein, drei schwere Antworten trägt die andre Wagschale.

    注釈

  19. 19段落

    Wollust: allen busshemdigen Leib-Verächtern ihr Stachel und Pfahl, und als „Welt“ verflucht bei allen Hinterweltlern: denn sie höhnt und narrt alle Wirr- und Irr-Lehrer.

    注釈

  20. 20段落

    Wollust: dem Gesindel das langsame Feuer, auf dem es verbrannt wird; allem wurmichten Holze, allen stinkenden Lumpen der bereite Brunst- und Brodel-Ofen.

    注釈

  21. 21段落

    Wollust: für die freien Herzen unschuldig und frei, das Garten-Glück der Erde, aller Zukunft Dankes-Überschwang an das Jetzt.

    注釈

  22. 22段落

    Wollust: nur dem Welken ein süsslich Gift, für die Löwen-Willigen aber die grosse Herzstärkung, und der ehrfürchtig geschonte Wein der Weine.

    注釈

  23. 23段落

    Wollust: das grosse Gleichniss-Glück für höheres Glück und höchste Hoffnung. Vielem nämlich ist Ehe verheissen und mehr als Ehe,—

    注釈

  24. 24段落

    —Vielem, das fremder sich ist, als Mann und Weib:—und wer begriff es ganz, wie fremd sich Mann und Weib sind!

    注釈

  25. 25段落

    Wollust:—doch ich will Zäune um meine Gedanken haben und auch noch um meine Worte: dass mir nicht in meine Gärten die Schweine und Schwärmer brechen!—

    注釈

  26. 26段落

    Herrschsucht: die Glüh-Geissel der härtesten Herzensharten; die grause Marter, die sich dem Grausamsten selber aufspart; die düstre Flamme lebendiger Scheiterhaufen.

    注釈

  27. 27段落

    Herrschsucht: die boshafte Bremse, die den eitelsten Völkern aufgesetzt wird; die Verhöhnerin aller ungewissen Tugend; die auf jedem Rosse und jedem Stolze reitet.

    注釈

  28. 28段落

    Herrschsucht: das Erdbeben, das alles Morsche und Höhlichte bricht und aufbricht; die rollende grollende strafende Zerbrecherin übertünchter Gräber; das blitzende Fragezeichen neben vorzeitigen Antworten.

    注釈

  29. 29段落

    Herrschsucht: vor deren Blick der Mensch kriecht und duckt und fröhnt und niedriger wird als Schlange und Schwein:—bis endlich die grosse Verachtung aus ihm aufschreie—,

    注釈

  30. 30段落

    Herrschsucht: die furchtbare Lehrerin der grossen Verachtung, welche Städten und Reichen in’s Antlitz predigt „hinweg mit dir!“—bis es aus ihnen selber aufschreie „hinweg mit mir !“

    注釈

  31. 31段落

    Herrschsucht: die aber lockend auch zu Reinen und Einsamen und hinauf zu selbstgenugsamen Höhen steigt, glühend gleich einer Liebe, welche purpurne Seligkeiten lockend an Erdenhimmel malt.

    注釈

  32. 32段落

    Herrschsucht: doch wer hiesse es Sucht , wenn das Hohe hinab nach Macht gelüstet! Wahrlich, nichts Sieches und Süchtiges ist an solchem Gelüsten und Niedersteigen!

    注釈

  33. 33段落

    Dass die einsame Höhe sich nicht ewig vereinsame und selbst begnüge; dass der Berg zu Thale komme und die Winde der Höhe zu den Niederungen:—

    注釈

  34. 34段落

    Oh wer fände den rechten Tauf- und Tugendnamen für solche Sehnsucht! „Schenkende Tugend“—so nannte das Unnennbare einst Zarathustra.

    注釈

  35. 35段落

    Und damals geschah es auch,—und wahrlich, es geschah zum ersten Male!—dass sein Wort die Selbstsucht selig pries, die heile, gesunde Selbstsucht, die aus mächtiger Seele quillt:—

    注釈

  36. 36段落

    —aus mächtiger Seele, zu welcher der hohe Leib gehört, der schöne, sieghafte, erquickliche, um den herum jedwedes Ding Spiegel wird:

    注釈

  37. 37段落

    —der geschmeidige überredende Leib, der Tänzer, dessen Gleichniss und Auszug die selbst-lustige Seele ist. Solcher Leiber und Seelen Selbst-Lust heisst sich selber: „Tugend.“

    注釈

  38. 38段落

    Mit ihren Worten von Gut und Schlecht schirmt sich solche Selbst-Lust wie mit heiligen Hainen; mit den Namen ihres Glücks bannt sie von sich alles Verächtliche.

    注釈

  39. 39段落

    Von sich weg bannt sie alles Feige; sie spricht: Schlecht—das ist feige! Verächtlich dünkt ihr der immer Sorgende, Seufzende, Klägliche und wer auch die kleinsten Vortheile aufliest.

    注釈

  40. 40段落

    Sie verachtet auch alle wehselige Weisheit: denn, wahrlich, es giebt auch Weisheit, die im Dunklen blüht, eine Nachtschatten-Weisheit: als welche immer seufzt: „Alles ist eitel!“

    注釈

  41. 41段落

    Das scheue Misstrauen gilt ihr gering, und Jeder, wer Schwüre statt Blicke und Hände will: auch alle allzu misstrauische Weisheit,—denn solche ist feiger Seelen Art.

    注釈

  42. 42段落

    Geringer noch gilt ihr der Schnell-Gefällige, der Hündische, der gleich auf dem Rücken liegt, der Demüthige; und auch Weisheit giebt es, die demüthig und hündisch und fromm und schnellgefällig ist.

    注釈

  43. 43段落

    Verhasst ist ihr gar und ein Ekel, wer nie sich wehren will, wer giftigen Speichel und böse Blicke hinunterschluckt, der All-zu-Geduldige, Alles-Dulder, Allgenügsame: das nämlich ist die knechtische Art.

    注釈

  44. 44段落

    Ob Einer vor Göttern und göttlichen Fusstritten knechtisch ist, ob vor Menschen und blöden Menschen-Meinungen: alle Knechts-Art speit sie an, diese selige Selbstsucht!

    注釈

  45. 45段落

    Schlecht: so beisst sie Alles, was geknickt und knickerisch-knechtisch ist, unfreie Zwinker-Augen, gedruckte Herzen, und jene falsche nachgebende Art, welche mit breiten feigen Lippen küsst.

    注釈

  46. 46段落

    Und After-Weisheit: so heisst sie Alles, was Knechte und Greise und Müde witzeln; und sonderlich die ganze schlimme aberwitzige, überwitzige Priester-Narrheit!

    注釈

  47. 47段落

    Die After-Weisen aber, alle die Priester, Weltmüden und wessen Seele von Weibs- und Knechtsart ist,—oh wie hat ihr Spiel von jeher der Selbstsucht übel mitgespielt!

    注釈

  48. 48段落

    Und Das gerade sollte Tugend sein und Tugend heissen, dass man der Selbstsucht übel mitspiele! Und „selbstlos“—so wünschten sich selber mit gutem Grunde alle diese weltmüden Feiglinge und Kreuzspinnen!

    注釈

  49. 49段落

    Aber denen Allen kommt nun der Tag, die Wandlung, das Richtschwert, der grosse Mittag : da soll Vieles offenbar werden!

    注釈

  50. 50段落

    Und wer das Ich heil und heilig spricht und die Selbstsucht selig, wahrlich, der spricht auch, was er weiss, ein Weissager: „Siehe, er kommt, er ist nahe, der grosse Mittag!“

    注釈

  51. 51段落

    Also sprach Zarathustra.

    注釈

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