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Vom Geist der Schwere

ツァラトゥストラはこう語った(ニーチェ)ドイツ語

投稿: @dialogos-editorial出典 ・ Project Gutenbergの底本による。

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  1. 1段落

    Mein Mundwerk—ist des Volks: zu grob und herzlich rede ich für die Seidenhasen. Und noch fremder klingt mein Wort allen Tinten-Fischen und Feder-Füchsen.

    注釈

  2. 2段落

    Meine Hand—ist eine Narrenhand: wehe allen Tischen und Wänden, und was noch Platz hat für Narren-Zierath, Narren-Schmierath!

    注釈

  3. 3段落

    Mein Fuss—ist ein Pferdefuss; damit trapple und trabe ich über Stock und Stein, kreuz- und querfeld-ein und bin des Teufels vor Lust bei allem schnellen Laufen.

    注釈

  4. 4段落

    Mein Magen—ist wohl eines Adlers Magen? Denn er liebt am liebsten Lammfleisch. Gewisslich aber ist er eines Vogels Magen.

    注釈

  5. 5段落

    Von unschuldigen Dingen genährt und von Wenigem, bereit und ungeduldig zu fliegen, davonzufliegen—das ist nun meine Art: wie sollte nicht Etwas daran von Vogel-Art sein!

    注釈

  6. 6段落

    Und zumal, dass ich dem Geist der Schwere feind bin, das ist Vogel-Art: und wahrlich, todfeind, erzfeind, urfeind! Oh wohin flog und verflog sich nicht schon meine Feindschaft!

    注釈

  7. 7段落

    Davon könnte ich schon ein Lied singen—- und will es singen: ob ich gleich allein in leerem Hause bin und es meinen eignen Ohren singen muss.

    注釈

  8. 8段落

    Andre Sänger giebt es freilich, denen macht das volle Haus erst ihre Kehle weide, ihre Hand gesprächig, ihr Auge ausdrücklich, ihr Herz wach:—Denen gleiche ich nicht.—

    注釈

  9. 9段落

    Wer die Menschen einst fliegen lehrt, der hat alle Grenzsteine verrückt; alle Grenzsteine selber werden ihm in die Luft fliegen, die Erde wird er neu taufen —als „die Leichte.“

    注釈

  10. 10段落

    Der Vogel Strauss läuft schneller als das schnellste Pferd, aber auch er steckt noch den Kopf schwer in schwere Erde: also der Mensch, der noch nicht fliegen kann.

    注釈

  11. 11段落

    Schwer heisst ihm Erde und Leben; und so will es der Geist der Schwere! Wer aber leicht werden will und ein Vogel, der muss sich selber lieben:—also lehre ich .

    注釈

  12. 12段落

    Nicht freilich mit der Liebe der Siechen und Süchtigen: denn bei denen stinkt auch die Eigenliebe!

    注釈

  13. 13段落

    Man muss sich selber lieben lernen—also lehre ich—mit einer heilen und gesunden Liebe: dass man es bei sich selber aushalte und nicht umherschweife.

    注釈

  14. 14段落

    Solches Umherschweifen tauft sich „Nächstenliebe“ : mit diesem Worte ist bisher am besten gelogen und geheuchelt worden, und sonderlich von Solchen, die aller Welt schwer fielen.

    注釈

  15. 15段落

    Und wahrlich, das ist kein Gebot für Heute und Morgen, sich lieben lernen . Vielmehr ist von allen Künsten diese die feinste, listigste, letzte und geduldsamste.

    注釈

  16. 16段落

    Für seinen Eigener ist nämlich alles Eigene gut versteckt; und von allen Schatzgruben wird die eigne am spätesten ausgegraben,—also schafft es der Geist der Schwere.

    注釈

  17. 17段落

    Fast in der Wiege giebt man uns schon schwere Worte und Werthe mit: „gut“ und „böse“ —so heisst sich diese Mitgift. Um derentwillen vergiebt man uns, dass wir leben.

    注釈

  18. 18段落

    Und dazu lässt man die Kindlein zu sich kommen, dass man ihnen bei Zeiten wehre, sich selber zu lieben: also schafft es der Geist der Schwere.

    注釈

  19. 19段落

    Und wir—wir schleppen treulich, was man uns mitgiebt, auf harten Schultern und über rauhe Berge! Und schwitzen wir, so sagt man uns: „Ja, das Leben ist schwer zu tragen!“

    注釈

  20. 20段落

    Aber der Mensch nur ist sich schwer zu tragen! Das macht, er schleppt zu vieles Fremde auf seinen Schultern. Dem Kameele gleich kniet er nieder und lässt sich gut aufladen.

    注釈

  21. 21段落

    Sonderlich der starke, tragsame Mensch, dem Ehrfurcht innewohnt: zu viele fremde schwere Worte und Werthe lädt er auf sich,—nun dünkt das Leben ihm eine Wüste!

    注釈

  22. 22段落

    Und wahrlich! Auch manches Eigene ist schwer zu tragen! Und viel Inwendiges am Menschen ist der Auster gleich, nämlich ekel und schlüpfrig und schwer erfasslich—,

    注釈

  23. 23段落

    —also dass eine edle Schale mit edler Zierath fürbitten muss. Aber auch diese Kunst muss man lernen: Schale haben und schönen Schein und kluge Blindheit!

    注釈

  24. 24段落

    Abermals trügt über Manches am Menschen, dass manche Schale gering und traurig und zu sehr Schale ist. Viel verborgene Güte und Kraft wird nie errathen; die köstlichsten Leckerbissen finden keine Schmecker!

    注釈

  25. 25段落

    Die Frauen wissen das, die köstlichsten: ein Wenig fetter, ein Wenig magerer—oh wie viel Schicksal liegt in so Wenigem!

    注釈

  26. 26段落

    Der Mensch ist schwer zu entdecken und sich selber noch am schwersten; oft lügt der Geist über die Seele. Also schafft es der Geist der Schwere.

    注釈

  27. 27段落

    Der aber hat sich selber entdeckt, welcher spricht: Das ist mein Gutes und Böses: damit hat er den Maulwurf und Zwerg stumm gemacht, welcher spricht „Allen gut, Allen bös.“

    注釈

  28. 28段落

    Wahrlich, ich mag auch Solche nicht, denen jegliches Ding gut und diese Welt gar die beste heisst. Solche nenne ich die Allgenügsamen.

    注釈

  29. 29段落

    Allgenügsamkeit, die Alles zu schmecken weiss: das ist nicht der beste Geschmack! Ich ehre die widerspänstigen wählerischen Zungen und Mägen, welche „Ich“ und „Ja“ und „Nein“ sagen lernten.

    注釈

  30. 30段落

    Alles aber kauen und verdauen—das ist eine rechte Schweine-Art! Immer I-a sagen—das lernte allein der Esel, und wer seines Geistes ist!—

    注釈

  31. 31段落

    Das tiefe Gelb und das heisse Roth: so will es mein Geschmack,—der mischt Blut zu allen Farben. Wer aber sein Haus weiss tüncht, der verräth mir eine weissgetünchte Seele.

    注釈

  32. 32段落

    In Mumien verliebt die Einen, die Andern in Gespenster; und Beide gleich feind allem Fleisch und Blute—oh wie gehen Beide mir wider den Geschmack! Denn ich liebe Blut.

    注釈

  33. 33段落

    Und dort will ich nicht wohnen und weilen, wo Jedermann spuckt und speit: das ist nun mein Geschmack,—lieber noch lebte ich unter Dieben und Meineidigen. Niemand trägt Gold im Munde.

    注釈

  34. 34段落

    Widriger aber sind mir noch alle Speichellecker; und das widrigste Thier von Mensch, das ich fand, das taufte ich Schmarotzer: das wollte nicht lieben und doch von Liebe leben.

    注釈

  35. 35段落

    Unselig heisse ich Alle, die nur Eine Wahl haben: böse Thiere zu werden oder böse Thierbändiger: bei Solchen würde ich mir keine Hütten bauen.

    注釈

  36. 36段落

    Unselig heisse ich auch Die, welche immer warten müssen,—die gehen mir wider den Geschmack: alle die Zöllner und Krämer und Könige und andren Länder- und Ladenhüter.

    注釈

  37. 37段落

    Wahrlich, ich lernte das Warten auch und von Grund aus,

    注釈

  38. 38段落

    —aber nur das Warten auf mich . Und über Allem lernte ich stehn und gehn und laufen und springen und klettern und tanzen.

    注釈

  39. 39段落

    Das ist aber meine Lehre: wer einst fliegen lernen will, der muss erst stehn und gehn und laufen und klettern und tanzen lernen:—man erfliegt das Fliegen nicht!

    注釈

  40. 40段落

    Mit Strickleitern lernte ich manches Fenster erklettern, mit hurtigen Beinen klomm ich auf hohe Masten: auf hohen Masten der Erkenntniss sitzen dünkte mich keine geringe Seligkeit,—

    注釈

  41. 41段落

    —gleich kleinen Flammen flackern auf hohen Masten: ein kleines Licht zwar, aber doch ein grosser Trost für verschlagene Schiffer und Schiffbrüchige!—

    注釈

  42. 42段落

    Auf vielerlei Weg und Weise kam ich zu meiner Wahrheit; nicht auf Einer Leiter stieg ich zur Höhe, wo mein Auge in meine Ferne schweift.

    注釈

  43. 43段落

    Und ungern nur fragte ich stets nach Wegen,—das gieng mir immer wider den Geschmack! Lieber fragte und versuchte ich die Wege selber.

    注釈

  44. 44段落

    Ein Versuchen und Fragen war all mein Gehen:—und wahrlich, auch antworten muss man lernen auf solches Fragen! Das aber—ist mein Geschmack:

    注釈

  45. 45段落

    —kein guter, kein schlechter, aber mein Geschmack, dessen ich weder Scham noch Hehl mehr habe.

    注釈

  46. 46段落

    „Das—ist nun mein Weg,—wo ist der eure?“ so antwortete ich Denen, welche mich „nach dem Wege“ fragten. Den Weg nämlich—den giebt es nicht!

    注釈

  47. 47段落

    Also sprach Zarathustra.

    注釈

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